Archiv der Kategorie ‘Fokus: Jodorowsky‘

SDMNV #10: El Topo

Saturday, den 18. October 2008

forum.jpgvon Andreas Bätzel
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sdmnv_st.jpg El Topo Alejandro Jodorowsky (1970)
Selten hat Kunstblut nachhaltigeren Eindruck hinterlassen: El Topo reitet mit seinem nackten Sohn in ein Dorf, in dem kurz zuvor ein Massaker stattgefunden hat. Den einzigen Überlebenden lässt El Topo von seinem Sohn erschießen. Dies ist der Startpunkt für einen Rachefeldzug, der jegliche Western-Konvention schnell hinter sich lässt …

Auf Spurensuche von „The Holy Mountain“

Friday, den 17. October 2008

forum.jpgvon Andreas Bätzel
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Alejandro Jodorowskys Filme besitzen diese unvergesslichen Bilder, die einzigartig sind im filmhistorischen Gedächtnis. Wo El Topo Motive des Western-Genres aufgreift und neu interpretiert, entwickelt Jodorowsky in Holy Mountain eine Grammatik unverbrauchter und surrealer Bilder. Für den Zuschauer bedeutet diese neue Grammatik eine visuelle Abenteuerreise, mit dem Ziel, der menschlichen Existenz und dem Sinn des Lebens etwas genauer auf die Spur zu kommen. Dabei ist es egal, ob die Antwort nun in der Religion, der Philosophie oder im Tarot zu finden ist.

Auch wenn sich Holy Mountain als Film über weite Strecken einer kohärenten Interpretation verweigert, besitzen die Aufnahmen eine derartige Schöpferkraft, dass man sie nur schwer wieder vergessen kann. Holy Mountain ist reich an einzigartigen Bildern, die weder Vorbild kennen noch kopierbar sind. Einen großen Anteil an der visuellen Faszination von Holy Mountain haben die faszinierenden Drehorte. Jodorowsky inszenierte El Topo und Holy Mountain komplett in Mexiko, zum Teil im Studio, häufig aber auch an Originalschauplätzen, zum Unmut der mexikanischen Bevölkerung, die den Dreharbeiten mit Skepsis beiwohnte.

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Interview mit Jodorowskys Schnittmeister

Wednesday, den 15. October 2008

forum.jpgvon Andreas Bätzel & Mario Orozco
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Federico Landeros wirkte zwischen 1950 und 1992 als Cutter an mehr als 80 Filmen mit, darunter zahlreiche Produktionen, die es nie über die Landesgrenzen Mexikos hinaus geschafft haben. Im filmhistorischen Gedächtnis ist jedoch vor allem seine Arbeit als Cutter für zwei der wohl kontroversesten Werke der Filmgeschichte geblieben: Alejandro Jodorowskys El Topo (1970) und The Holy Mountain (1973). Aber auch seine Arbeit für Juan López Moctezumas Mansion of Madness (1973) dürfte so manchem Insider ein Begriff sein.

avant*garde traf sich im September 2008 mit Landeros, der als Rentner zurückgezogen im Kreis seiner Familie in Mexico City lebt, um mit ihm über seine Arbeit und seine Freundschaft zu Alejandro Jodorowsky zu sprechen.

Über seine Anfänge im Filmgeschäft:
Eigentlich bin ich nur durch Zufall zum Film gekommen. Ein Onkel von mir arbeitete zu jener Zeit als Schmuckhändler, und unter seinen Kunden befanden sich auch Leute aus dem Filmgeschäft. Eines Tages begleitete ich meinen Onkel zu einem Drehort. Dort fragte ich ihn, ob er mich nicht für irgendeine Arbeit seinen Kontakten weiterempfehlen könnte. Ich war zu dem Zeitpunkt 18 Jahre alt.
So begann ich also, als einfacher Lehrjunge für den Film zu arbeiten; solche Lehrjungen nennt man in Mexiko „Chinchiguilles“. Nach und nach habe ich mich als Hilfskraft hochgearbeitet. Ich arbeitete als Lehrling in einem Filmentwicklungslabor, bis ich irgendwann selbst Filme entwickeln durfte. In meiner Freizeit schaute ich den Leuten am Schnittplatz über die Schulter. Mit 24 schließlich begann ich, selbst als Cutter zu arbeiten.
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SDMNV #9: The Holy Mountain

Tuesday, den 14. October 2008

forum.jpgvon Andreas Bätzel
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sdmnv_st.jpg The Holy Mountain Alejandro Jodorowsky (1973)
Bis zur Szene mit dem roten Tempel hätte man ja fast den Eindruck haben können, The Holy Mountain wäre konventionell erzählt. Spätestens wenn der Dieb jedoch seine weltliche Gefolgschaft hinter sich lässt und den roten Tempel hoch steigt, um über einen psychodelischen Tunnel zum weißen Alchemisten vorzudringen, wird The Holy Mountain zu dem legendären Mindfuck, der Jodorowskys Ruf als enfant terrible des Kinos nachhaltig geprägt hat.