Archiv der Kategorie ‘Essays‘

Der Klang der Liebe

Sunday, den 23. March 2008

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Angesiedelt im Hong Kong der frühen sechziger Jahre erzählt In the Mood for Love die Geschichte eines Ehebruchs. Das Besondere ist, dass Regisseur Wong Kar-Wai niemals die eigentlichen Protagonisten zeigt, sondern dem Zuschauer alles durch die zwei betrogenen Partner Li-zhen (Maggie Cheung) und Chow Mo-wan (Tony Leung) erleben lässt.

Beide beziehen zufällig am gleichen Tag direkt nebeneinander liegende Wohnungen. Ihnen ist gemeinsam, dass Ihre jeweiligen Lebenspartner fast nie zuhause sind. Ihre Begegnungen sind anfangs zufällig. Su und Chow sind sehr ruhige, zurückhaltende und freundliche Menschen, die viel Zeit einsam in ihren Wohnungen verbringen. Obwohl es beide wohl schon lange wissen oder zumindest erahnen, dauert Wochen, bis sie darüber reden können, dass ihre jeweiligen Ehepartner ein Verhältnis miteinander haben. Im Spannungsverhältnis aus einem stärker werdenden Empfinden füreinander und den zwar fürsorglichen aber auch sozial kontrollierenden Nachbarn kommt es zu keinerlei aggressiver Konfrontation. Im Gegenteil. Sie versuchen zu verstehen, wie die Affäre begonnen haben mag, indem sie selbst an sich die Anfänge einer verbotenen Liaison beobachten. Sie treffen sich immer häufiger, gehen miteinander essen, philosophieren darüber, ob es nicht besser ist, alleine zu leben. Man spürt, dass sie viel füreinander empfinden, doch werden alle stärkeren Gefühle unterdrückt, schließlich möchte man nicht sein wie die ehebrecherischen Partner. Su und Chow sprechen über ihre Wünsche, ihre Sehnsüchte. Doch im Hong Kong der sechziger Jahre, einer Zeit im Umbruch zwischen Tradition auf der einen Seite mit seinen stark konservativen, kontrollierenden sozialen Strukturen, repräsentiert durch die Vermieterin oder den Vorgesetzten auf der Arbeit, und dem aufkommende Kapitalismus mit seiner Individualisierung auf der anderen Seite, hat ihre Liebe keine Chance.

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Stillstand der Bilder

Thursday, den 6. March 2008

forum.jpgvon Michael Wehr

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Kennen Sie das? Sie sind von einem Film völlig begeistert, er zieht sie in ihren Bann, sie wünschen sich, mit anderen Menschen über das Erlebte reden zu können. Sie empfehlen das „Meisterwerk“ weiter. Ihre Freunde und Bekannten werden dankbar sein über diesen Tipp. Müssen sie einfach. Immerhin ist es ein genialer Film und so etwas sieht sich doch jeder gerne an. Sie können es kaum abwarten, die Reaktionen zu hören. Sie freuen sich, einzelne, besonders gelungene Szenen, im Gespräch nochmal zu analysieren. Und dann passiert es: „Ich fand ihn ziemlich langweilig“. Die Reaktion haut sie um.

Wie kann das sein, dass eine Person vollkommen begeistert ist und jede Minute eines Films genießt während ein Anderer beim identischen Film Langeweile verspürt und das Kino verlässt, den DVD-Player ausschaltet oder den Sender wechselt? Dem Fan dieses Films unterstellt man Cineasten-Allüren oder tut ihn einfach als Sonderling ab, während derjenige, der den Film ablehnt, dies damit erklärt, dass er eben mehr auf unterhaltsame Filme steht. Ist es wirklich so einfach?

Der Grund dafür, ob ein Film gefällt – diese These wage ich mal – ist bei vielen Menschen relativ gleich: Der Film muss fesseln. Im optimalen Fall taucht man regelrecht in eine andere Welt ein. Allerdings gibt es zwei völlig unterschiedliche Arten der Erzählung. Die eine ist handlungsbasiert und die andere stimmungsbasiert.

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