Archiv der Kategorie ‘Begleittexte‘

Begleittext: Last der Träume

Wednesday, den 21. May 2008

forum.jpgvon Andreas Bätzel

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Zunächst sind es Anekdoten, die in Erinnerung bleiben. Unwirkliche Anekdoten, die das Zeug zu Legenden haben. Anekdoten erzählt von einem Andersdenkenden, dessen Ideen selbst unter Andersdenkenden hochgezogene Augenbrauen provozieren. Werner Herzog dreht Filme und Dokumentationen, die so mutig sind, dass man sich fragt, ob Mut überhaupt das richtige Wort ist, oder man nicht eher von einer seltsamen Form der Todessehnsucht sprechen sollte. So passt es ins Bild, dass Herzog nicht nur mit einer lakonischen Gleichgültigkeit von sich behauptet, keine Angst vor dem Tod zu haben, sondern dies mit seiner Arbeit nachhaltig unter Beweis gestellt hat. Im August 1976 stand der Vulkan La Soufrière auf der französischen Karibikinsel Guadalupe kurz vor dem Ausbruch. Wissenschaftler hatten berechnet, dass ein Ausbruch des Vulkans der Explosion von fünf bis sechs Atombomben gleichkäme. 75.000 Inselbewohner waren bereits evakuiert worden. Nur ein einsamer Bauer weigerte sich, die Insel zu verlassen.

Herzog las in der Zeitung von dem Schicksal des einsamen Bauers und beschloss umgehend, Richtung Guadalupe aufzubrechen und den Bauer auf der Insel aufzusuchen. Entgegen aller Warnungen, dass die Katastrophe unausweichlich bevor stand, filmte Herzog zusammen mit seinen langjährigen Kameramännern Ed Lachmann und Jörg Schmidt-Reitwein die vermeintlich letzten Aufnahmen der Insel. Die Begegnung mit dem einsamen Bauern, der sich geweigert hatte, die Insel zu verlassen, leitet Herzog mit der Frage ein, wieso er geblieben sei, wenn doch alle anderen Inselbewohner schon längst geflohen waren. Der Bauer antwortet, dass es er noch immer auf der Insel sei, weil es ihm Gott befohlen habe und er nun auf seinen Tod warte. Nein, Angst habe er nicht, da niemand wissen könne, wann der Tod kommen werde.

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DVD: Werner Herzog

Wednesday, den 21. May 2008

forum.jpgvon Andreas Bätzel

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Das umfangreiche Gesamtwerk von Werner Herzog ist in Deutschland von Arthaus nahezu vollständig auf DVD veröffentlicht worden. Die Qualität der meisten DVDs richtet sich nach dem Zustand des Ausgangsmaterials. Da Herzog viele seiner Filme und Dokumentationen unter erschwerten Produktionsbedingungen und minimalem Budget gedreht hat, kann die Bild- und Tonqualität natürlich nicht mit dem Standard heutiger Produktionen konkurrieren, aber das muss sie auch nicht, da Herzogs einzigartige Bilderwelten zeitlos sind.
Für Einsteiger besonders attraktiv sind zwei DVD-Boxen von Arthaus. Zum einen die Herzog/Kinski – Exklusiv Edition, die alle Filme beinhaltet, in denen Klaus Kinski mitgewirkt hat, sowie Werner Herzog – Frühe Jahre, in denen sich fünf zentrale Werke befinden, die Herzog zwischen 1968 und 1997 gedreht hat. Beide Boxen enthalten zahlreiche Extras, wobei die von Herzog gesprochenen, deutschen Audiokommentare zu dem Besten gehören, was es an Audiokommentaren überhaupt auf dem Markt gibt. Aber auch die zu Fitzcarraldo gehörende Dokumentation Die Last der Träume sowie zahlreiche Kurz- und Dokumentationen, die sich als Extras auf den DVDs befinden, machen beide Boxen zu besonderen Empfehlungen.

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Begleittext: Postmoderne Albträume

Monday, den 12. May 2008

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David Lynch ist ein Mysterium. Zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Für das Medium Film nimmt Lynch eine ähnliche Rolle ein, wie Kafka für die Literatur. Und nicht ganz zufällig behauptet Lynch von sich selbst, dass Kafka der einzige Künstler sei, bei dem er das Gefühl habe, dass dieser sein Bruder sein könne. Die Filme von David Lynch sind Gegenstand kontroverser Diskussionen und wilden Interpretationsansätzen. Genau so sehr, wie Lynch für seine scheinbar grenzenlosen Bewusstseinsreisen verehrt wird, provoziert er Frustration und Kritik bei einem breiten Teil des Publikums, das keinen Zugang zu seinen symbolgeladenen Bilderwelten findet. Lynch verlässt mit seinen Filmen die breitgetretenen Pfade des Naturalismus und konfrontiert den Zuschauer mit dem Unbekannten, dem Unterbewussten und dem Surrealen – all dem, was nicht mehr so einfach mit dem Verstand zu erfassen ist, sondern gefühlt werden muss, um nicht rational, sondern emotional verstanden werden zu können.

Das Kino von David Lynch ist eine besondere Form von Gefühlskino, bei dem es für das Filmerlebnis eine untergeordnete Rolle spielt, ob man den roten Faden einer Geschichte versteht oder nicht. Die Filme von David Lynch widersetzen sich dem traditionellen Erzählparadigma, indem auf abschließende Erklärungen oder Auflösungen verzichtet wird. Genauso wie das Leben voller Überraschungen, Begegnungen, Wendungen und Zufälle ist, die man nicht immer rational erklären kann oder sollte, verzichtet auch Lynch überall dort auf Antworten, wo Antworten ein Geheimnis zerstören würden. Auf die Frage, ob er vorsätzlich seine Zuschauer verwirren möchte, antwortet er: „Nein, nein. Es geht nicht anders. Nicht, weil ich Verwirrung stiften will, sondern um das Geheimnis spürbar zu machen. Geheimnisse sind gut, Verwirrung ist schlecht, und zwischen beiden besteht ein großer Unterscheid. Ich rede nicht besonders gern über Dinge, weil man vieles zerredet. (…) Im Leben ist manches nicht ganz zu verstehen, aber wenn es im Film so ist, werden die Leute unruhig. Dabei ist das Ganze in gewisser Weise durchaus plausibel. Die meisten Filme sind bewusst so angelegt, dass sie von aller Welt verstanden werden. Da bleibt nicht viel Raum zum Träumen und Staunen.“

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DVD: David Lynch

Monday, den 12. May 2008

forum.jpgvon Andreas Bätzel

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David Lynch ist berüchtigt dafür, dass er nicht gerne über seine Filme spricht, keine Interviews gibt, Extras auf DVDs überflüssig findet und selbst auf solche Details wie die „Kapitelauswahl“ restriktiven Einfluss nimmt. So wurden in den USA einige seiner Filme veröffentlicht, für die auf seinen expliziten Wunsch hin sogar auf eine direkte Kapitelanwahl verzichtet wurde. Tenor: Ein Film sollte als Einheit geschaut werden und nicht in einzelnen Kapiteln.
In den letzten Jahren ist David Lynch jedoch merklich aufgetaut und erlaubt inzwischen auch Kapitelsprünge auf DVDs zu seinen Filmen. Zwar spricht er auch weiterhin nur sehr zurückhaltend über den tieferen Sinn seiner Filme, gibt über technische Produktionsaspekte oder seine grundsätzliche Philosophie, Filme zu drehen, aber gut gelaunt Auskunft. Unerwarterter Höhepunkt: Auf der US-DVD zu Lynchs neuestem Werk Inland Empire findet sich ein 15-minütiger Kochkurs, in dem David Lynch auf gewohnt mysteriöse Art erklärt, wie man Quinoa zubereitet.

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Begleittext: Keine Angst vor Bergman

Monday, den 5. May 2008

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Keine Angst vor Bergman? Ein wenig eingeschüchtert kann man schon sein, schließlich wurde 1997 Ingmar Bergman auf den 50. Filmfestspielen von Cannes von Regisseuren wie Woody Allen oder Steven Spielberg zum „besten Regisseur aller Zeiten“ gewählt und erhielt dafür „die Palme aller Palmen“. Eine unglaubliche Auszeichnung für einen Filmemacher, dessen Werk nur sehr wenige Leute kennen. Fast jeder hat schon zehn oder mehr Hitchcocks gesehen aber kaum jemand auch nur einen Bergman, auch die, die Filme als ihr Hobby bezeichnen. Woran liegt das?

Um Bergmans Werk zu verstehen, muss man seine Kindheit kennen. Ingmar Bergman, 1918 als Sohn eines lutherischen Pfarrers geboren, ist durch die strenge Erziehung seinen Vaters zuerst zum Theater, dann zum Film gekommen - die Kunst diente ihm als Flucht vor der Realität. Es sind die regelmäßigen Theaterbesuche in seiner Kindheit, die ihm in positiver Erinnerung blieben. Auf einen strengen Vater reagieren Menschen höchst unterschiedlich. Manche mit aggressiver Auflehnung gegen die Eltern, andere versuchen die Bestrafungen dadurch zu minimieren, dass sie versuchen, so zu sein, wie der Vater es erwartet. An der Aufarbeitung der seelischen Wunden arbeitete er sein ganzes Leben. Alles, was Bergman in seiner Arbeit tat, hat nach seinen eigenen Angaben Wurzeln in seiner Kindheit. Sie war durch die traumatisch negativen Erinnerungen an die Erziehung prägend. Vielen Menschen dieser Generation ging es ähnlich doch nur wenige wurden Künstler und thematisierten das Erlebte in Filmen.

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DVD: Ingmar Bergman

Monday, den 5. May 2008

forum.jpgvon Michael Wehr

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Bei Arthaus sind eine ganze Reihe Bergman Filme in guter Qualität erschienen. Besonders hervorzuheben und zu empfehlen ist die umfassende Ingmar Bergman Edition von Arthaus. Sie umfasst die Filme Das Lächeln einer Sommernacht, Das Schweigen, Das Siebente Siegel, Die Jungfrauenquelle, Herbstsonate, Persona, Schreie und Flüstern, Szenen einer Ehe und Wilde Erdbeeren und deckt damit eine gute Auswahl seiner Hauptwerke ab. Zudem findet sich in der Box eine Bonus-DVD mit dem hervorragenden 90 minütiges Interview Ingmar Bergman - Über Leben und Arbeit. Zusätzlich findet sich ein Audiokommentar eines Filmwissenschaftlers zu Das Lächeln einer Sommernacht. Eine sehr gelungene Edition, bei der schon die Bonus-DVD mit dem Interview das Geld alleine wert ist.
Wer sich erst einmal langsam an Bergman heranwagen will, für den sind die Titel dieser Edition auch einzeln erhältlich. Als Einstieg sei besonders die Special Edition von Wilde Erdbeeren empfohlen. Sie enthält neben dem Film in sehr guter Bildqualität auch Aufnahmen von den Dreharbeiten, ein Interview mit Bibi Andersson und ein Filmessay über den Regisseur.

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Begleittext: Zwischen Yakuza & sensibler Stille

Monday, den 28. April 2008

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Alles beginnt mit einem Zufall. Takeshi Kitano war bereits als Hauptdarsteller für Violent Cop verpflichtet worden, als Regisseur Kinji Fukusaku aus Verärgerung über Kitanos engen Terminkalender und eingeschränkte Verfügbarkeit für den Dreh von der Arbeit an dem Film zurücktrat. Ursprünglich war Violent Cop als Gangster-Komödie konzipiert worden, im Stile vieler Filme, in denen der vornehmlich als Komiker bekannte Kitano bis dahin mitgewirkt hatte. Aus der Not heraus fragte ein Produzent Kitano, ob er nicht selbst die Regie für den Film übernehmen wolle. Erfahrung als Regisseur hatte Kitano bis dahin nicht vorzuweisen, dennoch nahm er die Herausforderung an, schrieb das Drehbuch um, entfernte alle humoristischen Elemente aus der Geschichte und kreierte mit Violent Cop seinen minimalistischen Erzähl- und Inszenierungsstil, der sich in allen seinen Frühwerken wiederfindet. Es ist dieser ungeschliffene Minimalismus, der Violent Cop auch heute noch über den reinen Status als „Kitanos erste Regiearbeit“ heraushebt: Die statische Inszenierung, die langen Einstellungen, die zurückhaltende Schnittarbeit, die distanzierte Kameraarbeit, die kargen Dialoge, die lakonischen Charaktere, die tragische Konsequenz der Geschichte. Weniger ist mehr - ein Motto, das gerade im Asien-Kino der 90er-Jahre nicht immer beherzigt wurde.

Dabei spricht in Kitanos früher Biographie eigentlich nichts dafür, dass er eines Tages zu einem der bedeutendsten Regisseure Japans werden könnte. In seinem konservativen Elternhaus wurden Kitano Filme vorenthalten, so dass er über sich selbst sagt, dass er eigentlich erst begann, Filme zu schauen, als er bereits Filmemacher war: „Um die Wahrheit zu sagen, erst als ich anfing, meine eigenen Filme zu drehen und Interviews zu geben, begann ich, mir auch Filme anderer Regisseure anzuschauen. Als ich plötzlich Interviews auf internationalen Film Festivals geben musste, wurde ich ständig nach meinen „Einflüssen“ gefragt, ob ich etwa von Godard beeinflusst sei , die Filme von Melville kenne oder was ich über die Filme von Kurosawa und Ozu denke. Da es mir etwas peinlich war, keinen Film dieser Regisseure gesehen zu haben, war ich sozusagen gezwungen, mir Filme anderer Regisseure anzuschauen!“

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DVD: Takeshi Kitano

Monday, den 28. April 2008

forum.jpgvon Andreas Bätzel

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Die Verleihrechte an den Filmen von Takeshi Kitano sind in Deutschland weit gestreut, so dass man genauer hinschauen muss, wenn man keine unangehme Überraschung erleben will. Neben einigen, auch im internationalen Vergleich guten und empfehlenswerten Veröffentlichungen, sind einige seiner Filme entweder gar nicht verfügbar oder bislang nur in technisch minderwertiger Qualität herausgebracht worden.
Wenig falsch machen kann man mit den DVDs von Hana-Bi (Arthaus), Zatoichi (Concorde) sowie der Collector’s Edition von Dolls (Sunfilm), die sogar ein paar Extras enthalten. Ebenfalls zufriedenstellend ist die inzwischen vergriffene Alive!-DVD von Kikujiros Sommer. Senator/Universum hat aber bereits für Juli 2008 eine Neuauflage des Films angekündigt.

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Begleittext: Kino der Zitate

Monday, den 21. April 2008

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Das Phänomen Quentin Tarantino beginnt mit Pulp Fiction. Was wir über Quentin Tarantino wissen, was über ihn gesagt und geschrieben wird, die Art und Weise, wie sein Werk von der Öffentlichkeit aufgenommen, analysiert und seziert wird – all diese Ausprägungen des Phänomens Quentin Tarantino kreisen immer auch um Pulp Fiction. Ohne den Erfolg von Pulp Fiction wäre das Studio Miramax nicht in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten Produktionsfirmen Hollywoods aufgestiegen und Tarantino hätte seine Exploitation- und B-Movie-Hommagen wie Jackie Brown, Kill Bill oder Death Proof nicht drehen können. Und ohne Pulp Fiction wären diese Genrefilme nicht annähernd so breit und kontrovers in der Öffentlichkeit diskuktiert worden. Wann beschäftigt sich das Feuilleton schon mal mit dem Grindhouse-Genre oder obskuren asiatischen Kung-Fu-Filmen, die Tarantino in seinen Filmen mit stets spürbarem Enthusiasmus zitiert?

Um das Phänomen Tarantino verstehen zu wollen, reicht es nicht, seine Filme zu analysieren, all die versteckten Referenzen an alte und längst vergessene Genre-Filme aufzudecken und letztlich zu dem Schluss zu kommen, dass die Struktur von Reservoir Dogs und Pulp Fiction ja eigentlich ganz simpel ist, wenn man erst einmal verstanden hat, wie er seine Geschichten ineinander verschachtelt. Auch hilft es nicht wirklich weiter, wenn man weiß, dass zu seinen filmischen Vorbildern Brian DePalma, Alfred Hitchcock, Howard Hawks, Martin Scorese oder Jean-Luc Godard gehören. Bestenfalls begreift man anhand einer solchen Aufzählung, dass Tarantino in seiner Jugend nicht ausschließlich verstaubte C-Movies aus der hinteren Ecke der Videothek gesehen hat, sondern zu seinen Einflüssen auch die bekannten Filmklassiker der 50er- bis 70er-Jahre zählen sowie die französische Nouvelle Vague - letztere wohl besonders ob ihrer unbekümmerten Freiheit und Frechheit, jegliche filmische Konvention zu brechen und sich nicht dafür zu entschuldigen.

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DVD: Quentin Tarantino

Monday, den 21. April 2008

forum.jpgvon Andreas Bätzel

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Der deutsche DVD-Markt macht es dem DVD-Sammler nicht gerade leicht, die jeweils beste Fassung zu finden, da es zu fast allen Filmen von Tarantino gleich eine Vielzahl an Veröffentlichungen und Schnittfassungen gibt. Also Augen auf beim Fassungskauf, wenn man keine Überraschung erleben möchte. Während Pulp Fiction und Reservoir Dogs inzwischen in exzellenten Special Editions vorliegen, mussten die Veröffentlichungen von Jackie Brown und From Dusk Till Dawn gerade im Ausstattungsbereich gegenüber ihren internationalen Pendants Federn lassen.

Jackie Brown bekommt man in der technisch verbesserten Neuauflage ausschließlich in der nicht mehr erhältlichen Tarantino Gold Collection, die – sofern man noch keinen Tarantino-Film auf DVD besitzt und auf die deutsche Synchronisation angewiesen ist - den besten Gegenwert fürs Geld darstellt. Allerdings wird man den in der Box enthaltenen Pulp Fiction schnell doppelt im Regal stehen haben, wenn man nicht auf die bessere Qualität und Ausstattung der Buena-Vista-Neuauflage verzichten möchte.

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Begleittext: Neue Welle, neues Kino

Monday, den 14. April 2008

forum.jpgvon Andreas Bätzel

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In Jean-Luc Godards Filmographie finden sich mehr als 80 Spielfilme und Dokumentationen. Aber abseits von seinem revolutionären Spielfilmdebut Außer Atem, das Godard schnell zu einem der einflussreichsten Filmemacher aller Zeiten aufsteigen ließ, ist sein Gesamtwerk derart kompliziert und unzugänglich ist, dass selbst die aufopferungsvollsten Cineasten nur einen Bruchteil seiner Filme kennen, geschweige denn aufrichtig mögen. Man mache also den Selbsttest und zähle alle Titel auf, die einem spontan in den Sinn kommen, wenn man an Godard denkt. Und wer nicht bereits an dieser Eingangsfrage scheitert, versuche im Anschluss einige Filme zu nennen, die Godard seit den 70er Jahren gedreht hat. Das kollektive Unwissen über das Kino von Godard, abseits seiner einflussreichen, im Zuge der Nouvelle Vague entstandenen Frühwerke, sagt einiges über Godard als Filmemacher, aber auch als Mensch aus. Und dieses kollektive Unwissen führt vielleicht am ehesten zu einer Annäherung an einen Filmemacher, der zeitlebens versucht, sich abzugrenzen und zu isolieren. Ganz bewusst. Radikal. Und in höchstem Maße selbstreferenziell und egozentrisch.

Am Ende des ungemein verkopften und über weite Strecken kaum erhellenden Selbstporträts Godard über Godard öffnet sich Godard doch noch für einen Moment und tätigt das vielleicht persönlichste Selbstbekenntnis, das von ihm überliefert ist: „Ich habe gesagt, ich liebe. Dies ist das Versprechen. Jetzt muss ich mich aufopfern, damit das Wort Liebe durch mich einen Sinn erhält. Damit es Liebe auf Erden gibt. Im Gegenzug werde ich im Zuge dieses langwierigen Unternehmens zu jenem, der liebt. Das heißt endlich den Namen zu verdienen, den ich mir gegeben hatte. Ein Mensch. Nichts als ein Mensch. Der keinen anderen aufwiegt. Doch… den niemand will.“ - Es ist die Pause, am Ende des letzten Satzes, die hängen bleibt. Es ist die Pause, die einen Zweifel dokumentiert, einen Zwiespalt, der das Werk von Godard durchzieht und oftmals so unzugänglich werden lässt. Immer dann, wenn man den Eindruck hat, Godard greifen zu können, entzieht er sich der Vereinnahmung. In höchstem Maße nach Aufmerksamkeit strebend, verwehrt er sich dennoch jedes Liebesbeweises. Ist es die Unfähigkeit zu lieben und geliebt zu werden? Oder einfach nur die Angst, als Mensch weniger respektiert zu werden, denn als ungreifbarer Künstler, den niemand versteht?

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DVD: Jean-Luc Godard

Monday, den 14. April 2008

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Das Gesamtwerk von Jean-Luc Godard ist unübersichtlich. In der IMDB sind 90 Filme und Dokumentationen gelistet, bei denen er Regie geführt hat, von denen bislang nur ein Bruchteil in Deutschland veröffentlicht worden ist. Da die meisten DVD-Veröffentlichungen unter dem Radar der Öffentlichkeit hindurchgerutscht sind und nicht einmal in einschlägigen DVD-Foren diskutiert werden, möchten wir an dieser Stelle gerne die Aufmerksamkeit auf einige seiner bekanntesten und sehenswertesten Filme legen.
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Begleittext: Grobkörnige Odysseen

Monday, den 7. April 2008

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Das Kino von Jim Jarmusch ist das Kino eines Außenseiters, erzählt aus der Perspektive eines Beobachters, eines Fremden im eigenen Land, eines Menschen, der den Details mehr Bedeutung zumisst als dem ungreifbaren großen Ganzen und für den das Suchen wichtiger ist als das Finden. Die Filme von Jim Jarmusch sind ein klassisches Beispiel für das Kino eines Regisseurs, dessen Sturheit mächtiger ist als jegliche Versuchung und Verlockung, eines Tages doch einen großen Hollywood-Film zu drehen. Die Unabhängigkeit und die Freiheit, auch schlechte Filme machen zu dürfen, sind ein Ansporn, der Jarmusch im Laufe der Jahre zu einer Ikone des amerikanischen Independent-Films werden ließ. Seine Filme werden zwar oftmals von der breiten Masse ignoriert und spielen auch nur wenig Geld ein, sie finden aber dennoch den Nerv einer treuen Anhängerschar, die sich mit den Außenseiterrollen seiner Figuren identifizieren kann.

Aufgewachsen in Akron, Ohio, ging er mit 17 Jahren nach New York, um dort Literatur an der Columbia University zu studieren und sich als Musiker über Wasser zu halten. Jarmuschs Biographie ist durch ungeplante Etappen und Stationen gekennzeichnet, die sich wie ein intuitiver und individueller Handlungsfaden durch sein Leben ziehen. Aus einer ursprünglich nur für ein paar Monate angedachten Reise nach Paris wurde ein längerer Aufenthalt und seine Entscheidung, nach seiner Rückkehr nach New York Film zu studieren, entsprang eher einer Verlegenheit denn seiner Überzeugung. O-Ton-Jarmusch: „Ich hatte damals kein Geld, wusste nichts mit mir anzufangen und bewarb mich an der Filmschule der New York University Ich studierte dort zwei Jahre, ohne einen Abschluss zu machen.“

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DVD: Jim Jarmusch

Monday, den 7. April 2008

forum.jpgvon Andreas Bätzel

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Wer sich für die Filme von Jim Jarmusch auf DVD interessiert, muss nicht lange suchen, um sein Gesamtwerk in gehobener Qualität zu einem angemessenen Preis zu finden. Arthaus hat mit Ausnahme von Broken Flowers (Universum), alle seine Filme sowohl als Einzel-DVD als auch als Komplettbox veröffentlicht. Wer sich nur für ein oder zwei ausgewählte Filme interessiert, kann guten Gewissens zu den Einzelveröffentlichungen greifen; wer jedoch ein breiteres Interesse an seinem Gesamtwerk zeigt, dem legen wir die günstige Komplettbox ans Herz, die in hübscher und stabiler Aufmachung daherkommt und jedes heimische DVD-Regal ziert.

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Die nachfolgenden Informationen beziehen sich auf die Einzel-DVDs sowie die ausstattungsgleiche DVD-Box. Generell sollte angemerkt werden, dass die technische Umsetzung der Filme zwar nicht immer makellos ist, die Schwächen in Bild und Ton jedoch in erster Linie auf die erschwerten Produktionsbedingungen zurückzuführen sind. So wurden „Permanent Vacation“ und Stranger than Paradise auf 16 mm gedreht, was in deutlich sichtbarem Bildrauschen resultiert. Night on Earth wiederum wurde unter erschwerten Lichtbedingungen bei Nacht gedreht, weshalb der Kontrast oftmals nicht optimal ist. Auch wenn diese Schwächen selbst dem ungeübten Auge schnell auffallen, stellen sie kein Kaufhindernis dar, da es aufgrund der Qualität des Ausgangsmaterials keine besseren Veröffentlichungen geben kann (wenn man von den Vorzügen von Blu-ray absieht, wobei eine hochauflösende Veröffentlichung dieser Nischentitel noch in den Sternen steht und an den genannten Schwächen auch nicht viel verändern wird).

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Begleittext: Eine Portion Leben bitte

Monday, den 7. April 2008

forum.jpgvon Fabian Hübner

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Wer einmal ein einschneidendes Erlebnis mit dem Medium Film hatte und diesem seither verfallen ist, der kann eigentlich endlos über diese Kunstform philosophieren, referieren und diskutieren. Nicht anders ergeht es da dem Verfasser dieses Textes und dem Autoren der soeben gesehenen Episode über Wong Kar-Wais Chungking Express. Diese ergänzenden Worte sollen daher das eventuell aufgekommene Interesse an tiefgreifenden Informationen befriedigen und weiterführende Ansätze zu den Werken Wong Kar-Wais bieten.

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Wie in der Episode schon erwähnt, entstand Chungking Express spontan und sollte dem Regisseur dazu dienen wieder einen klaren Kopf zu bekommen bevor er sich erneut seinem Großprojekt Ashes of Time widmen konnte, dessen Schnitt er nun vor sich hatte. Dabei ist es natürlich erfreulich, dass ein kreativ Schaffender so viel Freiheit genießen und sich ein solches Kurprogramm erlauben kann. Aber so ist das eben bei den unabhängigen Filmen. Sie werden der Filme und der Intention wegen gemacht. So etwas wäre in einer Gewinn orientierten Produktionsstruktur undenkbar.
Ungeahnt, dass eben genau dieser Umstand Chungking Express zu einem so pulsierenden Werk macht, war es natürlich riskant sprichwörtlich ins Blaue zu drehen. Oft schlugen Klappen, ohne dass es ein Drehbuch vorlag nach dem vorgegangen wurde, und der Verlauf der Geschichte ergab sich während des Drehens und der Beobachtung dessen, was die Schauspieler mit ihren Charakteren improvisierten. Mit Stolz kann man diesem Film also die Floskel „Wie im echten Leben“ zusprechen. Denn in diesem Fall ist es gar keine.

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DVD: Chungking Express & Fallen Angels

Monday, den 7. April 2008

forum.jpgvon Fabian Hübner

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Wenn es um den speziellen Film geht, können auf dem deutschen DVD-Markt eigentlich nur drei Dinge eintreten.

1. Der Film findet in den hiesigen Gefilden erst gar nicht den Weg zu einer digitalen Fassung.

2. Er erhält eine eher lieblose Umsetzung, welche dem Zuschauer schlimmstenfalls neben einem beschnittenen Bildformat auch noch zu eine mittelmäßige Synchronisationsfassung zwingt.

3. Eine DVD-Fassung, der man anmerkt, dass sie gerade einem besonderen Film auch gerecht werden möchte.

Warum das so ist, erklärt sich einfach. Vor allem unabhängige Filme, die schon in ihrer eigentlichen Produktion ohne Studio auskommen durften (oder mussten – je nach Ansicht), werden eher selten im Nachhinein von den großen Studios gekauft, die weltweit auch die DVD-Veröffentlichungen kontrollieren. So landen die meisten Perlen im jeweiligen Land immer bei einem neuem DVD-Label. Und was am Ende dabei herauskommt, hängt dann von eben diesem ab.

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