Begleittext: Last der Träume
Wednesday, den 21. May 2008

Zunächst sind es Anekdoten, die in Erinnerung bleiben. Unwirkliche Anekdoten, die das Zeug zu Legenden haben. Anekdoten erzählt von einem Andersdenkenden, dessen Ideen selbst unter Andersdenkenden hochgezogene Augenbrauen provozieren. Werner Herzog dreht Filme und Dokumentationen, die so mutig sind, dass man sich fragt, ob Mut überhaupt das richtige Wort ist, oder man nicht eher von einer seltsamen Form der Todessehnsucht sprechen sollte. So passt es ins Bild, dass Herzog nicht nur mit einer lakonischen Gleichgültigkeit von sich behauptet, keine Angst vor dem Tod zu haben, sondern dies mit seiner Arbeit nachhaltig unter Beweis gestellt hat. Im August 1976 stand der Vulkan La Soufrière auf der französischen Karibikinsel Guadalupe kurz vor dem Ausbruch. Wissenschaftler hatten berechnet, dass ein Ausbruch des Vulkans der Explosion von fünf bis sechs Atombomben gleichkäme. 75.000 Inselbewohner waren bereits evakuiert worden. Nur ein einsamer Bauer weigerte sich, die Insel zu verlassen.
Herzog las in der Zeitung von dem Schicksal des einsamen Bauers und beschloss umgehend, Richtung Guadalupe aufzubrechen und den Bauer auf der Insel aufzusuchen. Entgegen aller Warnungen, dass die Katastrophe unausweichlich bevor stand, filmte Herzog zusammen mit seinen langjährigen Kameramännern Ed Lachmann und Jörg Schmidt-Reitwein die vermeintlich letzten Aufnahmen der Insel. Die Begegnung mit dem einsamen Bauern, der sich geweigert hatte, die Insel zu verlassen, leitet Herzog mit der Frage ein, wieso er geblieben sei, wenn doch alle anderen Inselbewohner schon längst geflohen waren. Der Bauer antwortet, dass es er noch immer auf der Insel sei, weil es ihm Gott befohlen habe und er nun auf seinen Tod warte. Nein, Angst habe er nicht, da niemand wissen könne, wann der Tod kommen werde.





































