Salt Lake Van Sant

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Egal ob auf dem roten Teppich der Academy Awards, in der Szene des New-Queer-Cinemas oder an der Küste von Cannes – an Anerkennung fehlt es Gus Van Sant bei Weitem nicht. Und das, obwohl er wahrlich kein Filmemacher ist, der darauf bedacht ist, es allen rechtzumachen. Dies beweisen vor allem seine jüngeren Werke wie die Trilogie des Todes, bestehend aus Gerry (2002), Elephant (2003) oder Last Days (2005), deren Erzählstil ohne Umwege in die Kerbe des puristischen Avantgarde-Kinos schlägt. Minutenlange Einstellungen und hypnotische Bilder zeichnen diese Filme genauso stark aus, wie sie auch ihr Publikum spalten. Selbst im Arthouse-empfänglichen Cannes blieb bei Gerry nicht jeder im Kino sitzen, wohingegen andere davon überzeugt waren, einen der eindringlichsten und am schönsten fotografierten Filme des amerikanischen Kinos gesehen zu haben.

Mala Noche (1985), Van Sants erster veröffentlichter Spielfilm, zum Großteil in Schwarz-Weiß gedreht, durch und durch dem Queer-Cinema zuzuschreiben, entstand durch viel Improvisation und wurde von Van Sant selbst finanziert. Ein Film, der lebt, den Zuschauer fasziniert und ein hervorragendes Beispiel dafür abgibt, welche Ebene ein Film erreichen kann, wenn sich die Macher dem kreativen Prozess hingeben und nicht stur nach einem ausgearbeiteten Skript vorgehen. Aber Mala Noche war kein Film, den man in den 80ern irgendwie hätte an den Mann bringen können. Dennoch fand er seinen Weg und genießt spätestens jetzt den Ruf, den er sich hart erkämpfen musste.

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Es folgten noch immer sehr experimentell angehauchte Filme wie Drugstore Cowboy (1989) und My Own Private Idaho (1991) sowie das umstrittene 1:1-Psycho-Remake (1998) und natürlich seine vielleicht bekannteste Arbeit Good Will Hunting (1997), die mit neun Oscars nominiert wurde.
Mit den finanziellen Mitteln, die ihm Good Will Hunting einbrachte, könne er, so sagte er sinngemäß, sich nun zur Ruhe setzen, und das sei langweilig.
Also was tut ein Mensch, der nicht nur Filmemacher, sondern auch Fotograf, Schriftsteller, Musiker … kurz gesagt Künstler ist? Natürlich das, was ihm sonst keiner finanzieren würde: Er dreht die Filme, die er wirklich drehen will. Angefangen mit dem von Matt Damon und Casey Affleck geschriebenen Gerry, mit dem Van Sant, wie er selbst sagte, das Medium Film in einer Zeit, in der die Videoclip-Ästhetik inflationär verwendet wird, zu seinem Ursprung und zu seiner pursten Form zurückbringen will. Ein Wunsch von jemandem, der genau diesen Stil in den 90ern in Videoclips für die Red Hot Chili Peppers oder David Bowie mitgeprägt hatte.

Es folgte Elephant, dessen bewusst eingesetzte Monotonie die Schreckenstat in Columbine noch intensiver darstellte und Van Sant die goldene Palme für Regie einbrachte, sowie die Grunge-Hommage Last Days, welche den Abschluss seiner Trilogie darstellte.
Paranoid Park (2007) war dann der erste Schritt zurück in Richtung Erzählkino, allerdings durch und durch in Stil und Materie von seinen unmittelbaren Vorgängern geprägt.
Es wirkt so, als hätte Van Sant mit diesen Filmen das gefunden, was er im Medium Film schon lange Zeit gesucht hatte. Und diesen neu geebneten Weg folgt er so klar und unverstellt wie seinerzeit der Vision, die ihn veranlasste, Mala Noche zu drehen.
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Trailer: Gerry


Trailer: Elephant


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5 Äußerungen des Auditoriums zu “Salt Lake Van Sant”

  1. Aguirre

    Die Trilogie kenne ich gut auch wenn für mich Last Days etwas hinterher hinkt.

    Paranoid Park lief in D ja kaum in einem Kino. :-(

  2. Franziska

    Ist euch mal aufgefallen das sich das Ende bzw. der Abspann von Good Will Hunting und die Anfamgssequenz aus Gerry sehr ähnlich sehen?

    Auch was Licht und Stimmung angeht.

  3. de Günn

    Sehr interessant, habe mir auch gleich Elephant in euerem avant*shop bestellt.
    Ruhig mehr davon…

  4. Fabian Hübner

    Hey de Günn, gerade die als Ästhet epfehle ich noch dringend “Gerry”.

  5. deGünn

    “Gerry” habe ich schon vor “Elephant” gesehen. Liebe beide Filme sehr!

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