Daft Punk’s Electroma
Zunächst sollte es nur ein Musikvideo für Daft Punks „Human after all“ werden, doch das Musikerduo, bestehend aus Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo, erweiterte diese Idee spontan, als es merkte, dass sich die Dynamik beim Drehen selbstständig machte. „Bei diesem Film nutzten wir dieselbe Herangehensweise wie damals, als wir anfingen, Musik zu machen: etwas kreieren, ohne auf irgendwelche Regeln oder Standards zu achten“, so Thomas Bangalter, der nicht nur zusammen mit seinem Kollegen Regie führte, sondern auch für die komplette Kinematographie verantwortlich zeichnete, nachdem er sich zuvor 200 Ausgaben des American Cinematographer zur Vorbereitung angeschafft hatte.
Für Daft Punk ist es nicht die erste Begegnung mit dem Medium Film. Ihr Album Discovery haben sie zusammen mit dem japanischen Regisseur Kazuhisa Takenouchi zu dem Anime Interstalla 555 fusioniert und der Soundtrack zu Gaspar Noés Irréversible wurde von Bangalter geschrieben. Bei Electroma hingegen haben Daft Punk bewusst auf ihre eigene Musik verzichtet, um den Film nicht seiner Eigenständigkeit zu berauben. So sind es die Klänge von Musikern wie Todd Rundgren, Brian Eno und sogar Curtis Mayfield, welche die Odyssee zweier Roboter auf ihrer Suche nach Menschlichkeit begleiten.

Erzählerisch orientieren sich Daft Punk dabei stark an Filmen wie Stalker von Andrei Tarkovsky oder Gus Van Sants Gerry und somit auch automatisch an den Filmen von Béla Tarr.
Übersetzt bedeutet dies einen starken Fokus auf die Bildsprache und lange, hypno¬tische Szenen, welche den übergeordneten Handlungsstrang mit kleinen Details langsam Stück für Stück vorantreiben, immer mit dem Bestreben zu größtmöglichem Purismus vor Augen.
Und im Vergleich zu den vermeintlichen Vorbildern setzen Daft Punk in dieser Beziehung sogar noch einen drauf. Denn in Electroma wird kein Wort gesprochen. Das Erzählen wird den Bildern überlassen.
Wenn man einmal in die visuelle Erfahrung eintaucht, die Electroma für den Zuschauer bereithält, erscheint es nahezu unmöglich, zu glauben, dass ein Film wie dieser in nicht einmal zwei Wochen mehr oder weniger vor sich hin improvisiert wurde. Zu überwältigend sind manche Kameraeinstellungen und Fahrten, zu anmutig die Bilder, zu bewusst platziert wirken die kleinen Hinweise auf die Charakterzüge der Protagonisten und zu emotional berührt lässt einen das Gesamtwerk nach seinen knapp über 70 Minuten zurück.
Es mag hochgegriffen klingen, doch Daft Punk reihen sich mit ihrer Schöpfung problemlos neben den genannten Regisseuren und ihren Arbeiten ein und erschufen einen zukünftigen Kultfilm, der es versteht, sowohl auf der Videoleinwand als Kunstinstallation zu beeindrucken als auch dem Publikum im Arthouse-Kino den Atem zu rauben.
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28. October 2008 17:12 Uhr
Klingt hoechst interessant. Ich wusste gar nicht, dass Daft Punk neben der Musik nun auch Filme machen. Finde ich sehr gut :-)
28. October 2008 17:58 Uhr
Mich hatte der Film schon durch den Trailer interessiert, dieser Artikel gibt ihm aber der Rest. Der ist so gut wie bestellt. Vielen Dank für den Tipp!
28. October 2008 17:59 Uhr
Electroma ist wirklich sehr zu empfehlen - sehr puristisch, mit tollen Einstellungen, faszinierenden Bildern, hypnotisch-langsamen Szenen und exotischer Atmosphäre. Auch ohne Dialoge gibt es so etwas wie einen roten Faden, aber man kann sich auch einfach nur zurücklehnen und die wunderbaren Bilder auf sich wirken lassen!
6. November 2008 01:36 Uhr
Hat mich ganz klar neugierig gemacht. Danke für die Ausführung.
6. November 2008 18:12 Uhr
Ist gestern bei mir angekommen. Alleine die Packung ist schon sehr chic. Die DVD liegt in einem gebunden Buch mit schönen Bildchen aus dem Film.
19. December 2009 04:40 Uhr
dern film hat etwas aber nicht definierbar einfach nur schön wie die beiden auto fahren und es auf einmal schneller wird und dann dieses lied ist, einfach nur geil, echt jetzt freiheit pur unbedingt den soundtrack runterladen.
Wirklich Atemberaubend
Deniz 21