von Andreas Bätzel


In Jean-Luc Godards Filmographie finden sich mehr als 80 Spielfilme und Dokumentationen. Aber abseits von seinem revolutionären Spielfilmdebut Außer Atem, das Godard schnell zu einem der einflussreichsten Filmemacher aller Zeiten aufsteigen ließ, ist sein Gesamtwerk derart kompliziert und unzugänglich ist, dass selbst die aufopferungsvollsten Cineasten nur einen Bruchteil seiner Filme kennen, geschweige denn aufrichtig mögen. Man mache also den Selbsttest und zähle alle Titel auf, die einem spontan in den Sinn kommen, wenn man an Godard denkt. Und wer nicht bereits an dieser Eingangsfrage scheitert, versuche im Anschluss einige Filme zu nennen, die Godard seit den 70er Jahren gedreht hat. Das kollektive Unwissen über das Kino von Godard, abseits seiner einflussreichen, im Zuge der Nouvelle Vague entstandenen Frühwerke, sagt einiges über Godard als Filmemacher, aber auch als Mensch aus. Und dieses kollektive Unwissen führt vielleicht am ehesten zu einer Annäherung an einen Filmemacher, der zeitlebens versucht, sich abzugrenzen und zu isolieren. Ganz bewusst. Radikal. Und in höchstem Maße selbstreferenziell und egozentrisch.
Am Ende des ungemein verkopften und über weite Strecken kaum erhellenden Selbstporträts Godard über Godard öffnet sich Godard doch noch für einen Moment und tätigt das vielleicht persönlichste Selbstbekenntnis, das von ihm überliefert ist: „Ich habe gesagt, ich liebe. Dies ist das Versprechen. Jetzt muss ich mich aufopfern, damit das Wort Liebe durch mich einen Sinn erhält. Damit es Liebe auf Erden gibt. Im Gegenzug werde ich im Zuge dieses langwierigen Unternehmens zu jenem, der liebt. Das heißt endlich den Namen zu verdienen, den ich mir gegeben hatte. Ein Mensch. Nichts als ein Mensch. Der keinen anderen aufwiegt. Doch… den niemand will.“ - Es ist die Pause, am Ende des letzten Satzes, die hängen bleibt. Es ist die Pause, die einen Zweifel dokumentiert, einen Zwiespalt, der das Werk von Godard durchzieht und oftmals so unzugänglich werden lässt. Immer dann, wenn man den Eindruck hat, Godard greifen zu können, entzieht er sich der Vereinnahmung. In höchstem Maße nach Aufmerksamkeit strebend, verwehrt er sich dennoch jedes Liebesbeweises. Ist es die Unfähigkeit zu lieben und geliebt zu werden? Oder einfach nur die Angst, als Mensch weniger respektiert zu werden, denn als ungreifbarer Künstler, den niemand versteht?
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