Der Klang der Liebe

Angesiedelt im Hong Kong der frühen sechziger Jahre erzählt In the Mood for Love die Geschichte eines Ehebruchs. Das Besondere ist, dass Regisseur Wong Kar-Wai niemals die eigentlichen Protagonisten zeigt, sondern dem Zuschauer alles durch die zwei betrogenen Partner Li-zhen (Maggie Cheung) und Chow Mo-wan (Tony Leung) erleben lässt.
Beide beziehen zufällig am gleichen Tag direkt nebeneinander liegende Wohnungen. Ihnen ist gemeinsam, dass Ihre jeweiligen Lebenspartner fast nie zuhause sind. Ihre Begegnungen sind anfangs zufällig. Su und Chow sind sehr ruhige, zurückhaltende und freundliche Menschen, die viel Zeit einsam in ihren Wohnungen verbringen. Obwohl es beide wohl schon lange wissen oder zumindest erahnen, dauert Wochen, bis sie darüber reden können, dass ihre jeweiligen Ehepartner ein Verhältnis miteinander haben. Im Spannungsverhältnis aus einem stärker werdenden Empfinden füreinander und den zwar fürsorglichen aber auch sozial kontrollierenden Nachbarn kommt es zu keinerlei aggressiver Konfrontation. Im Gegenteil. Sie versuchen zu verstehen, wie die Affäre begonnen haben mag, indem sie selbst an sich die Anfänge einer verbotenen Liaison beobachten. Sie treffen sich immer häufiger, gehen miteinander essen, philosophieren darüber, ob es nicht besser ist, alleine zu leben. Man spürt, dass sie viel füreinander empfinden, doch werden alle stärkeren Gefühle unterdrückt, schließlich möchte man nicht sein wie die ehebrecherischen Partner. Su und Chow sprechen über ihre Wünsche, ihre Sehnsüchte. Doch im Hong Kong der sechziger Jahre, einer Zeit im Umbruch zwischen Tradition auf der einen Seite mit seinen stark konservativen, kontrollierenden sozialen Strukturen, repräsentiert durch die Vermieterin oder den Vorgesetzten auf der Arbeit, und dem aufkommende Kapitalismus mit seiner Individualisierung auf der anderen Seite, hat ihre Liebe keine Chance.
Der Titel In the Mood for Love passt perfekt. Wong erzeugt durch die Mischung aus grandiosen Bildkomposition und faszinierender Musik eine Stimmung beim Zuschauer, der ihn das Leiden in seiner ganzen Schönheit miterleben lässt. Wie hier Stimmung durch bestimmte Kameraeinstellungen erzeugt wird, ist meisterhaft. Das Eingeengte des Apartmentblocks, die unterdrückten Gefühle, werden visualisiert, indem die Kamera teilweise durch geöffnete Türen filmt, ohne dass der Blick auf das Geschehen komplett frei ist. Dadurch wird der Effekt des sich frei Fühlens in den Sequenzen, in denen durch den Regen gelaufen wird, überdeutlich.
In the Mood for Love ist erwachsener, kontrollierter, durchkomponierter als Chungking Express, ohne aber weniger zu faszinieren. Man kann behaupten, der Film handle von sexuellem Verlangen oder – je nach Sichtweite - von moralischer Zurückhaltung, von Beherrschung, von zwei Personen und ihren Gefühlen füreinander, die nicht mehr sind als flüchtige Momente in der Zeit. Ein Kammerspiel, das durch die faszinierende Mischung aus Musik und Bildersprache zu begeistern weiß. Der englische Titel des Films sagt eigentlich alles.
Da der Film aus meiner Sicht aber vor allem dadurch besticht, dass er eine emotionale Reaktion erzeugt (vermutlich bei jedem Zuschauer unterschiedliche), wollte ich diese nicht zu sehr auf eine bestimmte Bahn lenken.
Schreiben Sie uns also Ihre Meinung, Ihre subjektive Auffassung oder die Gefühle, die Sie zu In the Mood for Love haben in unser Forum. Denn wenn es ein Film verdient hat, dass über ihn geredet wird, dann dieser.


24. March 2008 02:44 Uhr
Einer meiner absoluten Lieblingsfilme.
25. March 2008 01:31 Uhr
Das ist viel verlangt. Ich hoffe mir die Tage die Zeit nehmen zu können.
26. March 2008 16:55 Uhr
Ich mach jetzt was ganz Böses und was quasi zum Filmtitel ganz Konträres, ich sag was ich mir über die beiden Forumseinträge über mir Schlimmes denke:
Lolo, nicht böse sein, aber: Niemanden auf Gottes weiter Erde interessiert, dass “In the Mood for Love” einer der absoluten Lieblingsfilme von Lolo ist (die hier keine Sau kennt). Was einen Lieblingsfilm von einem absoluten Lieblingsfilm unterscheidet, dürften ja ohnehin nur jene wissen, die so um die 20 Lieblingsfilme haben (ist ja nichts dagegen zu sagen). Aber auch dir Cannesmann sei ins Stammbuch geschrieben: Absichtserklärungen sind Nichts, Umsetzung ist Alles. Gute Vorsätze hören wir alle zu Silvester genug.
Warum ich mich als Gast darüber auslasse? Ersten, weil ich darf. Zweitens, weil sich hier Leute den Arsch aufreißen, gute, lesens-/sehenswerte Inhalte zu machen und dann wohl doch irgendwo hoffen, dass sie andere Leute zum Nachdenken und zum sich Mitteilen bringen. Ich kann mir also gut vorstellen, dass solche inhaltsleeren Einzeiler den Autor doch ein wenig enttäuschen und seine Arbeit konterkarieren. Besser als Nix, finde ich immer noch zu wenig.
Warum ist es also viel verlangt, über einen Film, der ein “absoluter Lieblingsfilm ist” ein paar takte lang nachzudenken und mitzuteilen, warum mich der Film anspricht. Sind es die kleinen Gesten, die Sehnsucht in den Bildern, die visuelle Umsetzung der eingeengten Spielräume, die hypnotische Musik. Welche Szene hat mich besonders berührt? So entsteht Auseinandersetzung und Diskussion.
Ich weiß, ich bin furchtbar streng, aber mir ist jede Art von Bequemlichkeit zuwider, auch die Denkfaulheit. Nicht jeder Eintrag hier muss clever, stimmig und publikationstauglich sein. Aber bitte honoriert die Arbeit dieser Leute (die im Moment ohnehin noch um jeden Eintrag dankbar sind) dadurch, dass ihr euch eine Minute mit dem auseinandersetzt, was ihr lest und schreibt. Es muss nicht klug sein. Es reicht, wenn es persönlich ist und ehrlich und ein bisschen Inhalt hat. Dann können andere Leute auch was damit anfangen. Ansonsten ist es eigentlich nur Speicherplatzverschwendung.
So, bin fertig. Und ich liebe euch trotzdem :-)
26. March 2008 20:52 Uhr
Hallo Thomas. Habe deine Aussage für richtig befunden und soeben meinen Teil getan. Ich habe zumindest mein Bestes versucht. ;)