von Michael Wehr

Angesiedelt im Hong Kong der frühen sechziger Jahre erzählt In the Mood for Love die Geschichte eines Ehebruchs. Das Besondere ist, dass Regisseur Wong Kar-Wai niemals die eigentlichen Protagonisten zeigt, sondern dem Zuschauer alles durch die zwei betrogenen Partner Li-zhen (Maggie Cheung) und Chow Mo-wan (Tony Leung) erleben lässt.
Beide beziehen zufällig am gleichen Tag direkt nebeneinander liegende Wohnungen. Ihnen ist gemeinsam, dass Ihre jeweiligen Lebenspartner fast nie zuhause sind. Ihre Begegnungen sind anfangs zufällig. Su und Chow sind sehr ruhige, zurückhaltende und freundliche Menschen, die viel Zeit einsam in ihren Wohnungen verbringen. Obwohl es beide wohl schon lange wissen oder zumindest erahnen, dauert Wochen, bis sie darüber reden können, dass ihre jeweiligen Ehepartner ein Verhältnis miteinander haben. Im Spannungsverhältnis aus einem stärker werdenden Empfinden füreinander und den zwar fürsorglichen aber auch sozial kontrollierenden Nachbarn kommt es zu keinerlei aggressiver Konfrontation. Im Gegenteil. Sie versuchen zu verstehen, wie die Affäre begonnen haben mag, indem sie selbst an sich die Anfänge einer verbotenen Liaison beobachten. Sie treffen sich immer häufiger, gehen miteinander essen, philosophieren darüber, ob es nicht besser ist, alleine zu leben. Man spürt, dass sie viel füreinander empfinden, doch werden alle stärkeren Gefühle unterdrückt, schließlich möchte man nicht sein wie die ehebrecherischen Partner. Su und Chow sprechen über ihre Wünsche, ihre Sehnsüchte. Doch im Hong Kong der sechziger Jahre, einer Zeit im Umbruch zwischen Tradition auf der einen Seite mit seinen stark konservativen, kontrollierenden sozialen Strukturen, repräsentiert durch die Vermieterin oder den Vorgesetzten auf der Arbeit, und dem aufkommende Kapitalismus mit seiner Individualisierung auf der anderen Seite, hat ihre Liebe keine Chance.
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